Meine Reisetagebücher
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Die Stadt im Himmel und ein Handelsposten

Montag, 31.12.2007

 

Gefahrene Meilen: 262.4 (= 422 km)

Heute ging es jetzt definitiv wieder nach Westen, aber erst mal mit einem kleinen Abstecher nach Acoma, der „Sky City“ und dann ging es nach Norden zur Hubbell Trading Post und weiter nach Chinle, einem Ort im Navajo-Reservat, der direkten Zugang zum Canyon de Chelly bietet.

 

Aber zuerst musste ich Albuquerque verlassen. Und das war diesmal wirklich einfach: Hatte ich doch schon am Ortsrand Richtung Westen nicht weit von der Autobahn entfernt übernachtet. Dafür gestaltete sich die Suche nach einer Tankstelle etwas schwieriger: Musste ich dafür doch wieder die Autobahn verlassen. Aber dort gab es Sprit für das Auto sowie einen Eimer Cappuccino und eine große Zimtschnecke für mich (Muffins hatten die leider keine). Und dann ging es dieselbe Strecke nach Westen, die ich bei meiner Flucht vor dem Schnee nach Osten gefahren bin. Aber diesmal präsentierte sich die Landschaft ganz anders: Die Sicht war hervorragend, so dass die umliegenden Berge mit Schneehauben und davor die rot-braun-gestreiften Felsen deutlich sichtbar waren bei einem wolkenlosen blauen Himmel. Nur die Temperatur passte nicht wirklich dazu; die war nur wenig über 0° C.

Nach gut einer Stunde auf der Autobahn führte mich mein Weg in das Acoma-Reservat, in dem ein kleiner Stamm der Pueblo-Völker lebt. Das Besondere an Acoma ist, dass das alte Pueblo auf einem Felsen liegt und aufgrund seiner Lage immer noch keinen Strom- und Wasseranschluss hat, von Kanalisation ganz zu schweigen.

Die Bewohner (etwa 50 Personen das ganze Jahr über, im Sommer einige mehr) leben immer noch in den uralten Häusern, bei denen nur die Türen und Fenster vor ungefähr 50 Jahren vergrößert und modernisiert wurden. Sie heizen und kochen dort noch immer wie vor Hunderten von Jahren mit Holz.

Auch das Brot wird noch in den alten Backöfen gebacken. Nur das Trinkwasser wird nicht mehr den Regenwasserzisternen entnommen sondern in Behältern angeliefert. Auch bei den Toiletten ist die Neuzeit eingezogen: Da werden so Häuschen wie bei Baustellen benutzt. Interessanterweise befindet sich dicht bei der Missionskirche eine größere Ansammlung dieser Toilettenhäuschen.

Die geführte Tour war sehr interessant; leider war es sehr kalt und windig.

 

Dann fuhr ich wieder zurück zur Autobahn und aß erst einmal im Sky City Casino, das die Acoma zusätzlich zu ihrer Touristenattraktion Acoma-Pueblo noch betreiben, zu Mittag. Wie bei einem Casino nicht anders zu erwarten ist, war das Essen gut und günstig: Für 9.40$ konnte ich mich am Mittagsbuffet richtig vollfressen und die Getränke (Kaffee und Wasser) waren auch schon dabei. Das gönnte ich mir, da ich nicht wusste, wie heute Abend die Essensmöglichkeiten sein würden. Schließlich war ja der letzte Tag des Jahres und deshalb mit eingeschränkten Öffnungszeiten zu rechnen. Damit muss ich morgen übrigens auch rechnen. Aber ich habe noch genügend Vorräte, so dass ich auch ohne geöffneten Laden nicht verhungern werde. Aber Tankstellen sollten nicht geschlossen sein und meistens haben sie einen kleinen (für unsere Verhältnisse schon wieder größeren) Lebensmittelladen angeschlossen.

Die Route zum Canyon de Chelly konnte ich so legen, dass ich direkt an einem alten Handelsposten, der heute ein Nationales Historisches Denkmal ist, vorbeikam, der Hubbell Trading Post in Ganado. Die alten Gebäude sind noch vollständig erhalten.

Und der alte Laden wird heute mit der alten Einrichtung als Verkaufsposten von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen für die Bewohner der Gegend sowie Snacks und Souvenirs für Touristen betrieben. Irgendwie habe ich beim Herumlaufen auf dem Gelände erwartet, hinter der nächsten Ecke auf eine Filmcrew zu stoßen, die einen Western dreht und einfach Besucher durch ihre Kulissen spazieren lässt. Für eine Führung durch das Wohnhaus der Familie Hubbell war ich etwas zu spät dran. Außerdem musste ich ja noch weiter nach Chinle.

Bei der Weiterfahrt nach Chinle stieß ich dann noch auf einen seltsamen Transport, von dem ich aber leider keine Fotos machen konnte. Das sah von Weitem so aus, als würde die Straße direkt durch ein Haus hindurchführen; vor allem, weil auch noch ein Auto immer direkt hinterherfuhr und es so aussah als würde es einfach durchfahren wollen. Es war aber nur die eine Hälfte eines der in Amerika häufig bewohnten Fertighäusern, die auf Sattelschleppern angeliefert werden. Und da die Straßen hier so breit sind, dass diese Häuserhälften nicht viel breiter sind als eine Fahrspur, können die Transporter auch noch recht flott fahren (so mit 70 – 80 km/h auf zweispurigen Landstraßen). Der Gegenverkehr musste nur teilweise ganz dicht an den Straßenrand fahren und kurz warten oder langsam fahren, bis der Transporter vorbei war. Irgendwie hat es mir gefallen, so hinter einem Haus herzufahren und ich war richtig enttäuscht, als der Sattelschlepper in eine Ausweichbucht fuhr, um die nachfolgende Autoschlange vorbeizulassen (die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße war immerhin 105 km/h und der Sattelschlepper fuhr nur etwa 80 km/h und war somit ein Verkehrshindernis).

 

Jetzt mache ich mir noch einen schönen Abend hier im Motel in Chinle, das mit 75$ wohl mit das teuerste auf der ganzen Reise sein wird. Aber so sind die Preise eben, wenn es nur 2 Motels der gehobeneren Klasse an einer Touristenattraktion gibt. Und morgen besuche ich dann zuerst den Canyon de Chelly und kann hoffentlich mal wieder eine Puebloruine genauer besichtigen, bevor ich dann zum Petrified Forest weiterfahre.

Mehr Bilder gibt es in der Bildergalerie (auf eines der Bilder klicken)

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