Donnerstag, 27.12.2007
Gefahrene Meilen: 444.2 (= 715 km)
Der Tag begann heute mit einem Schock: Der Blick aus dem Fenster zeigt weiße Pracht auf dem Boden und auf dem Weg nach unten. Das hatte ich aber nicht bestellt. Da ich daran ja nichts ändern konnte, frühstückte ich erst einmal. Dabei beobachtete ich die Autos auf der Straße. Das sah noch halbwegs machbar aus. Der Schnee bestand wohl zum größten Teil aus Pulverschnee, der einfach davonflog. Aber ein Teil blieb auch liegen und es waren nur die Fahrspuren frei und nicht die ganze Straße. Ob und wann geräumt werden würde, stand in den Sternen. Außerdem war noch einiges von diesem kalten, weißen Zeug in den Wolken, das diese unbedingt loswerden wollten.
Somit war eigentlich die Tagesunternehmung vor der etwas längeren Fahrstrecke gestrichen: Die Pueblo-Ruinen in Aztec müssen warten, bis ich einmal wiederkomme. Schade eigentlich. Denn das, was ich bisher im Internet davon gesehen habe, versprach einen interessanten Gang durch die Ruinen. Kann man nichts machen. Es war mir einfach zu riskant, jetzt noch länger in dieser Region zu bleiben.
Also kam der Notfallplan zum Zuge. Ich hatte mir schon vorher angesehen, wie ich von Farmington wohl am besten zur Interstate 40 komme, die nach Albuquerque führt. An der Rezeption des Motels fragte ich noch den Diensthabenden, welche Strecke er mir empfehlen würde nach Albuquerque. Das hätte ich mir aber schenken können. Dem fiel nach längerem Überlegen nur der nächste Ort im Osten von Farmington ein, durch den drei der vier möglichen Strecken nach Santa Fe / Albuquerque gehen. Also sah ich mir den Himmel genauer an und entschied mich für den (großen) Umweg über Shiprock im Westen. Wie es Richtung Osten aussah, kann ich natürlich nicht sagen. Aber bereut habe ich die Entscheidung nicht. Die Straße war schon nach etwa 10 Meilen wesentlich besser zu befahren und kurz vor Shiprock dann auch ganz schneefrei. Auch die Verbindungsstraße von Shiprock nach Gallup war fast komplett schneefrei, aber es wehte ein sehr starker Wind (der vorher für die Schneefreiheit gesorgt hatte).
Nur Bonnie (das Navi) und ich konnten uns mal wieder nicht über die Strecke einig werden. Ich hatte übersehen, bei der Eingabe des Ziels Albuquerque auch Autobahnen zu erlauben. Und so wollte mich Bonnie ständig über irgendwelche Landsträßchen und Feldwege und was weiß ich was noch alles führen. So kam es dann auch, dass ich plötzlich bei der einzig größeren Kreuzung nach Westen fuhr statt nach Süden. Da die Strecken nach Window Rock ging, das die „Hauptstadt“ des Navajo-Reservats ist und die Gegend auch nicht uninteressant war, beschloss ich, dort einfach mal hinzufahren und dann wieder umzudrehen.
Dann ging es endlich weiter Richtung Albuquerque und ab Gallup auch auf der Autobahn. Langsam bekam ich Hunger, aber irgendwie waren außer Burgerbuden keine Futterstellen angezeigt. Bis dann endlich die Casinos der Ureinwohner auftauchten. Also halten, am Rand der Spielautomaten entlang erst zu den Toiletten und dann zum Futtertempel. Und mein Sandwich mit Steak, Käse, Tomaten, Zwiebeln, Gurken und Pommes war wesentlich besser als jeder Burger.
So gesättigt ging es weiter nach Albuquerque. Aber der Wettergott meinte es nicht wirklich gut mit mir. Er hatte schon unterwegs immer mal wieder etwas Pulverschnee verschüttet und dann auf einmal wohl ziemlich viel. Auf jeden Fall war da ein Stau. Es ging nur ganz langsam weiter. Und dann sah ich es: Da lag auf einer abfallenden Strecke ein Pickup mit angehängtem riesigem Wohnanhänger quer im Rasenstück zwischen den beiden Richtungsbahnen und der Fahrer besah sich die Bescherung. Aber das konnte nicht der ganze Grund für den Stau gewesen sein, denn der Wohntruck blockierte keine der beiden Fahrbahnen und der Stau löste sich auch nicht auf. Dann tauchte auch schon der nächste Unfall auf, der aber auch alle Beteiligten in das Wiesenstück katapultiert hatte. Diesmal waren ein Laster, ein Kombi und ein Pickup beteiligt. Aber auch das war noch nicht die Ursache für den Stau. Die war noch weiter unten: Da lag von einem riesigen Laster das Führerhaus neben der Gegenfahrbahn ganz außen neben der Autobahn auf der Seite. Und der Auflieger passte gerade so auf die Wiese zwischen den beiden Richtungsbahnen, dass er noch jeweils eine Fahrbahn etwas blockierte. Da war ich doch froh, dass ich die Essenspause eingelegt hatte, wer weiß, wo ich sonst gerade gewesen wäre.
Viel fotografiert habe ich heute nicht; nur ein paar Bilder von einem Rastplatz an der I40, von dem aus so eine typische Siedlung im Reservat zu sehen war. Die Sicht war meistens nicht sehr gut, auch wenn teilweise der Himmel nicht ganz bewölkt war. Die Berge waren meistens von den Wolken verdeckt.
Am frühen Nachmittag kam ich dann in den Einzugsbereich von Albuquerque und da traf mich der Zivilisationsschock: Die Autobahn hatte plötzlich 5 Spuren und überall waren Straßen und ganz viele Autos. Da wollte ich nur noch so schnell wie möglich wieder raus. Das Navi war aber nur bis Albuquerque programmiert, so dass ich einfach so entscheiden musste, welche Abzweigung auf der Autobahn ich nehmen wollte. Irgendwie kam mir da dann in den Sinn, doch noch nach Santa Fe fahren zu wollen, da in Albuquerque überhaupt kein Schnee zu sehen war. Aber natürlich habe ich im Chaos der Abfahrten, Auffahrten und Baustellen die Abfahrt auf die Autobahn nach Santa Fe verpasst. So beschloss ich, einfach mal in Richtung Osten weiterzufahren. Irgendwie erinnerte ich mich nämlich dumpf daran, dass dies auch die Richtung sein musste, die ich nach White Sands einschlagen wollte. Ich wollte dann einfach die nächste Tankstelle nutzen, um das Navi wieder neu zu programmieren.
Aber da kam dann plötzlich ein Wegweiser auf eine Straße, an die ich mich sehr gut erinnerte: Es handelte sich um die Nebenstraße, den Turquoise Trail, die ich eigentlich nach Santa Fe fahren wollte. Und das tat ich dann auch. Diese Strecke war wirklich schön; es gab nur ein Problem: Immer dann, wenn ich ein schönes Fotomotiv erspäht hatte, konnte ich nicht anhalten und wenn es mal eine Haltebucht oder gar einen Aussichtspunkt gab, waren die Fotomotive wohl gerade in den Wolken versteckt. Also gibt es halt keine Bilder. Die Strecke führt die alte Straße entlang durch teilweise komplett aufgegebene Ortschaften. Eine der Ortschaften, Madrid, ist aber inzwischen wieder bevölkert und zu einer Künstlerkolonie geworden. So viel Kitsch hatte ich nur in Seligman an der Route 66 gesehen, wo ich auch schon geflüchtet bin. Und aus Madrid war ich ebenfalls genau so schnell durchgefahren wie möglich. Wahrscheinlich ist der Ort im Sommer gar nicht mal so furchtbar kitschig, aber jetzt war alles auch noch mit der kitschigen Weihnachtsdekoration garniert.
Und so führte mich mein Weg nach Santa Fe, wo ich plötzlich einen PetSmart erspähte. Dort wechselten einige Fellmäuse, 2 Vögel am Stiel (ja, ich habe die Federbüschel auf ihre Standhaftigkeit gegen Misshandlungen wie von Gipsy getestet) und 1 Riesenfederteil am Stiel den Besitzer. Und dann wollte ich mir eigentlich eine Bleibe für die Nacht suchen und morgen dann durch Santa Fe schlendern, einige Souvenirs kaufen, und auf dem Weg nach Albuquerque noch ein paar Pueblos besuchen, die an der Autobahn liegen. Aber meine Flucht vor dem Schnee war noch nicht zu Ende: Als ich mit Einkaufen fertig war und wieder auf den Parkplatz kam, schneite es wieder – und diesmal waren es ganz dicke Flocken, die auch noch liegenblieben. Da kannte ich nur noch eines: Ab auf die Autobahn und zurück nach Albuquerque. Ich hatte absolut keine Lust, da in Santa Fe eingeschneit zu werden und habe den für morgen geplanten Besuch im Bandelier National Monument ebenfalls gestrichen. Jetzt geht es erst mal weiter nach Süden. Wenn ich dann wieder zurück bin in Albuquerque und auf dem Weg nach Osten noch Zeit und Lust zu einem kleinen Umweg habe, werde ich wohl noch das eine oder andere Pueblo besuchen. Nach Santa Fe fahre ich wahrscheinlich aber nicht mehr. Deshalb gibt es nur für die Katzen Souvenirs aus Santa Fe.
Morgen geht es dann von Albuquerque aus weiter nach Süden bis fast nach Mexiko und auch ein winziges Stück nach Texas, da die wohl beste Verbindung zwischen White Sands und Carlsbad durch Texas führt, wenn ich nicht dieselbe Strecke zweimal fahren möchte. Ich bin jetzt meiner Planung einen ganzen Tag voraus und werde dann mal spontan entscheiden, wo und wie ich diesen Zusatztag einschieben werde.