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Freitag, 28.12.2007
Gefahrene Meilen: 262.3 (= 422 km)
Zu meiner großen Freude zeigte der Blick aus dem Fenster heute morgen keine weiße Masse, die alles bedeckte. Es hatte nicht geschneit. Wie schön. Also stand meinen weiteren Plänen nichts mehr im Weg. Nach dem Mini-Frühstück im Motel 6 (da gibt es nur Kaffee) ging es gleich los. Und ich wäre schon beim Beladen des Autos fast erfroren: -10° C zeigte das Bordthermometer. Aber wenigstens war der Himmel blau und die Sonne schien. Und die Autoheizung sorgte schon dafür, dass mir bald wieder wärmer wurde.
Sobald ich Albuquerque hinter mir gelassen hatte (hier fahre ich immer noch ungern, aber es ging schon besser als gestern), besorgte ich mir an einer Tankstelle mein Frühstück: einen Eimer (20 oz = 0.6 l) Kaffee und einen großen Muffin. Den Muffin futterte ich sofort, den Kaffee trank ich so nach und nach in den nächsten Stunden. Die Kaffeeeimer haben ja praktischerweise einen Deckel mit einer kleinen Öffnung, aus der man direkt trinken kann oder mit Hilfe eines Trinkhalms. Und wenn der Kaffee nicht mehr ganz heiß ist und die Straße immer nur geradeaus geht, kann man ja gut während des Fahrens seinen Koffeinpegel auf konstanter Höhe halten. Die Autos haben ja auch alle so praktische Becherhalter, die wirklich bequem in Reichweite sind; eine Hand hält das Steuer und die andere holt den Kaffeeeimer und stellt ihn wieder zurück (und das geht ohne hinzuschauen). Und der Tempomat bedient das Gaspedal und die Bremse.
Zuerst ging die Fahrt auf der Autobahn immer geradeaus nach Süden (die langen geraden Strecken eignen sich wirklich gut zum Kaffeetrinken). Rechts und links der Autobahn war hauptsächlich Wüste zu sehen (irgendwie sehr trockener Boden mit hartem Gras und Büschen) und die Berge waren viel weniger schroff als in den letzten Tagen.
Dann ging es auf Landstraßen weiter bis Alamogordo, einem etwas größerem Ort in der Wüste, der hauptsächlich von der Holloman Airforce Base (in er auch Bundeswehrsoldaten stationiert sind, die Tiefflug üben) und Touristen lebt. Da es erst kurz nach Mittag war, fuhr ich durch Alamogordo einfach durch; um eine Übernachtungsmöglichkeit konnte ich mich auch später noch kümmern. Mich rief einfach der große Sandkasten. Inzwischen war es auch schön warm geworden: +5° C.
White Sands präsentierte sich schon gleich zu Beginn sehr eindrucksvoll. Das Visitor Center war im Adobestil gebaut und gefiel mir sofort. Und vor dem Visitor Center waren Beete mit hier heimische Pflanzen angelegt. Im Frühjahr, wenn alles blüht, muß das noch viel schöner aussehen. Und schon neben dem Visitor Center hoben sich die ersten weißen Dünen gegen die dunklen Berge ab.
Zuerst führte eine geteerte Straße durch die Dünenlandschaft. Entlang dieser Straße waren immer wieder kleine Haltebuchten, in denen auf Tafeln erklärt war, was man dort gerade sehen konnte. Auch gab es einen Steg, der mitten in die Wüste hineinführte und immer wieder neue Fotomotive bot. Überhaupt präsentierten sich die bewachsenen weißen Gips-Dünen sehr fotogen.
Als die geteerte Straße dann zu Ende war, ging es erst richtig los. Man fuhr einfach auf dem plattgewalzten Gips weiter mitten hinein in die Dünen. Dort ist eine Art riesiger Spielplatz angelegt. Überall gibt es Buchten, in denen man das Auto parken und einfach so mitten in die Dünen steigen kann. Vier oder fünf große, plattgewalzte Flächen sind zu offiziellen Picknick-Plätzen mit gegen die Sonne geschützten Essplätzen ausgebaut, die jeder einen eigenen Grill haben. Nur das Essen und Trinken und die Holzkohle muss man selbst mitbringen und auch allen Müll wieder mitnehmen. Toiletten gibt es selbstverständlich auch (das Holzhäuschen, das vom Auto fast vollständig verdeckt wird)
Als besonders attraktiv empfinden die Amerikaner dort wohl, dass man im Souvenirladen riesige Plastikscheiben (ähnlich wie Frisbee-Scheiben) mit ca. 1 m Durchmesser mieten oder kaufen kann, mit deren Hilfe man dann einfach die Dünen runterrutschen kann. Das sieht wirklich so ähnlich aus wie bei uns, wenn mal viel Schnee liegt und alle Kinder mit ihren Schlitten die Hügel runterrutschen. Nur dass es hier das ganze Jahr möglich ist.
Zum Schluss bin ich noch eine Art Dünenlehrpfad gelaufen. Dort war ich ganz allein in den Dünen und hörte auch keine Autos und kein Geschrei der tobenden Kinder (und Erwachsener) mehr. Und es gab viele interessante Fotomotive. Der Verlauf des Pfades war natürlich sehr einfach zu erkennen: Man musste nur nummerierten Holzpfählen folgen und die Fußspuren der ganzen Besucher waren auch nicht zu übersehen.
Am Anfang des Pfades konnte man ein Heftchen ausleihen oder kaufen, in dem beschrieben war, was man bei diesen Nummern alles beobachten kann. Das habe ich aber nicht gemacht, da sich die ganzen Beschreibungen auf Frühjahr bis Herbst bezogen und im Winter präsentiert sich auch die Wüste etwas weniger lebendig.
Als ich genug weißen Sand (Gips) gesehen und wieder aus meinen Schuhen entfernt hatte, fuhr ich wieder nach Alamogordo zurück und suchte mir eine Unterkunft und fand ein schnuckeliges kleines Motel. Den Mexikaner, der mir dort für das Abendessen empfohlen wurde, werde ich wohl morgen noch einmal zum Frühstück heimsuchen, so gut hat es mir dort geschmeckt.
Irgendwie bin ich froh, wieder in wärmeren Gefilden zu sein. Ich bedauere zwar, dass ich die Ruinen in Aztec und Santa Fe jetzt nicht mehr sehen werde. Aber ich habe dafür einen Tag gewonnen, den ich wohl in der Gegend von Flagstaff nutzen werde. Dort hatte ich nämlich schweren Herzens einen begehbaren Lavafluss und Ruinen eines Pueblo-Volkes gestrichen, da der Tag mit Sedona und dem Rest in dieser Gegend einfach zu voll wurde. Wenn das Wetter diesmal mitspielt, kann ich diesen „gewonnenen“ Tag dort wirklich gut einsetzen.
Aber morgen geht es erst einmal noch weiter nach Süden und dann unter die Erde.