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Sonntag, 06.01.2008
Gefahrene Meilen: 255.3 (= 411 km)
Es ist wirklich der Hustensaft, der mich so müde und schummrig im Kopf macht. Den darf ich tagsüber unter keinen Umständen mehr nehmen. Wieder was gelernt. Mit dem Hustensaft als Einschlafhilfe ging das Einschlafen auch sehr gut. Nur wurde ich mitten in der Nacht wach, weil die Wirkung nachließ und ich noch eine Portion nachschieben musste. Deshalb kam ich heute morgen erst um 8 Uhr aus dem Bett, so dass es nach 9 Uhr war, bis ich endlich loskam.
Das Frühstück war ganz ordentlich: Kaffee, Orangensaft, eine Portion Vollkornflakes mit Rosinen, ein Bagel mit Frischkäse (die eine Hälfte) und Marmelade (die andere) sowie einen kleinen Muffin und ein Apfelplunder als Wegzehrung. Die haben nicht mehr reingepasst. Man merkt halt doch, dass ich leicht angeschlagen bin mit meiner Erkältung.
Die Fahrt ging zuerst mal durch Tucson. Da ich nicht alle überflüssigen Wegpunkte aus der Route gelöscht hatte, durfte ich bei der Fahrt von Norden nach Süden statt nur am Westrand von Tucson entlangzufahren auch noch eine kleine Stadtrundfahrt machen. Wenigstens hatte das Navi die korrekten Informationen über die Einbahnstraßen – sonst wäre es wohl zum ersten ernsthaften Krach in unserer Beziehung gekommen. Witzig war, dass es mich ständig auf die Autobahn führen wollte und ich nicht konnte, da wegen einer Großbaustelle mehrere Auffahrten gesperrt waren und ich deshalb einfach auf der Straße neben der Autobahn fahren musste. Sogar diese leichte Positionsänderung merkte das Navi sofort und forderte mich immer auf, doch endlich die Autobahn zu benutzen. Als ich das endlich konnte, durfte ich gleich bei der nächsten Abfahrt wieder runter. Bonnie weis auch nicht, was sie will, typisch Frau.
Aber dann ging es endlich Richtung Westen, immer geradeaus, gut 160 km lang. Nur durch leichte Kurven, ab und zu Geschwindigkeitsänderungen, kleinere Ansammlungen von Gebäuden, Tankstellen im Nirgendwo, usw. unterbrochen. Und immer begleiteten mich meine Freunde, die Kakteen, und meine Lieblingsmusik im Satellitenradio. Gestern konnte ich das Gefühl nicht so richtig beschreiben, das ich beim ersten Anblick dieser riesigen, schlanken Saguaros hatte. Heute fiel mir der richtige Ausdruck ein: Es war, als würde ich liebe Freunde wiedersehen, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Die Saguaros mag ich, seit ich 2004 die ersten bei den Casa Grande Ruinen gesehen hatte. Dort traf ich auch zum ersten Mal auf die Kultur der Pueblo-Indianer, die es heute ja zum größten Teil nicht mehr gibt.
Das Wetter war heute eher durchwachsen, die meiste Zeit mehr oder weniger stark bewölkt mit teilweise heftigem Regen und mit 18° C eher kühl, so dass ich immer eine Jacke brauchte. Da die Straße nicht weit von der Grenze zu Mexiko entlang verläuft, konnte ich auch mal wieder die Border Patrol sehen. Sie bauten ihre Sperre aber gerade erst auf und machten noch keine Kontrolle.
Auffällig auf dieser Strecke waren sehr viele Kreuze am Straßenrand und die vielen Streifenwagen. So viele hatte ich bisher insgesamt noch nicht gesehen wie heute. Es scheint sich da wohl um eine unfallträchtige Rennstrecke zu handeln. Das könnte damit zusammenhängen, dass in Mexiko Alkoholkonsum schon mit 18 Jahren erlaubt ist und in den USA erst mit 21. Außerdem ist der Tequila in Mexiko spottbillig.
Dann war ich endlich im Organ Pipe Cactus Nationalmonument, das seinen Namen einer Kakteenart verdankt, die weltweit nur hier wächst, den Organ Pipes. Seit ich zum ersten Mal Bilder von dieser Kakteenart sah, die mit viele dicken Stengeln aus einer Wurzel zu kommen scheint, wollte ich sie mit eigenen Augen sehen. Und deshalb war mir der eine Tag Umweg nur für diese Kakteen (und auch all die anderen, die ich unterwegs sehen konnte) auch nicht zu viel; bedeutete es doch einen ganzen Tag mit meinen Freunden. Falls es jetzt noch nicht klar ist: Ich finde die Sonora-Wüste mit ihren Sträuchern, gelben harten Grasbüscheln und den Kakteen einfach unglaublich schön und faszinierend. Da kann ich stundenlang durchfahren, ohne dass mir langweilig wird.
Im Organ Pipe gibt es einen etwa 34 km langen Rundweg, der sich in engen kurven durch die Landschaft windet. Den musste ich natürlich fahren und ganz, ganz viele Bilder machen, bei denen die Kakteen in der Regel die Hauptpersonen waren. Es war auch einfach sehr schwierig, Bilder ohne Kakteen zu bekommen, so dicht stehen sie dort. Und die zum Teil richtig schroffen Berge gaben noch einen guten Hintergrund ab.
Unterwegs fing es plötzlich sehr heftig zu regnen an, so dass ich schon fürchtete, irgendwo eine Flash Flood abwarten zu müssen. Dass damit nicht zu spaßen sein muss, zeigte mir ein kurzes Erlebnis auf der Strecke von Tucson zum Organ Pipe: Da hatte es auch immer mal wieder kurzzeitig leicht geregnet und in einer Senke stand noch etwas Wasser. Das war wohl doch tiefer als ich zuerst dachte. Auf jeden Fall hatte ich für den Bruchteil einer Sekunde keine Bodenhaftung mehr und kam wohl so um 10 cm aus der richtigen Richtung, was ich aber schnell wieder korrigieren konnte. So eine Erfahrung mit tieferem und fließendem Wasser möchte ich auf keinen Fall machen. Aber es gab keine derartigen Probleme. Nur von meinem Auto hätte ich noch am Morgen ein Foto machen sollen: Da war es noch so richtig schön grau-blau, nachdem sich der rote Staub mit dem weißen und grauen Staub der südlichen Gegenden vermischt hatte und jetzt ist es wieder leuchtend blau.
Dann musste ich mich leider von dieser schönen Gegend verabschieden; wollte ich doch noch etwa 100 km weiterkommen, bevor ich mir in Gila Bend ein Nachtquartier suchte. Unterwegs traf ich dann mal wieder auf die Border Patrol. Diesmal musste ich den Ausweis nicht zeigen, aber die hinten getönte Scheibe herunterlassen, damit der Grenzbeamte auch mein ganzes Futter- und Jackenlager einschließlich Wanderstiefeln hinten sehen konnte. Nach der Frage nach woher und wohin wünschte er mir noch einen schönen Urlaub und ließ mich weiterfahren. Woher wusste der wohl, dass ich Urlaub mache? Ich hatte das jedenfalls nicht ausdrücklich erwähnt.
Unterwegs hatte ich immer wieder Streifenwagen am Wegrand im Gebüsch lauern sehen. Die waren wirklich gut getarnt. Je nach Straßenseite waren sie nur von vorne (Gegenfahrbahn) oder im Rückspiegel (eigene Fahrtrichtung) zu sehen. Und dann meinte so ein roter Tiefflieger, mich mit wesentlich überhöhter Geschwindigkeit überholen zu müssen, obwohl ich schon so schnell fuhr wie ich durfte. Keine 2 km später war am Straßenrand die Lichtorgel eines Streifenwagens zu sehen – und tatsächlich war der rote Tiefflieger geschnappt worden.
In Gila Bend suchte ich mir dann ein nettes kleines Motel, das sehr günstig ist. Dafür gibt es aber kein Frühstück. Aber für die 15$ Preisunterschied zum Motel schräg gegenüber mit Frühstück (das ein Buffet sein kann aber auch nur aus Kaffee und abgepacktem Muffin bestehen kann), kann ich mir ein Luxusfrühstück im Restaurant leisten, das sicher den ganzen Tag hält. Kaum war ich bei dem Motel aus dem Auto, um nach einem freien Zimmer und dem Preis zu fragen, ging ein richtiger Wolkenbruch los, so dass jetzt auch der letzte Staubfleck von meinem Auto entfernt ist und es wie frisch aus der Waschanlage aussieht. Und dabei war es vorher so schön grau – und ich habe gar kein Bild davon.
Mal sehen, was morgen so alles kommt. Da geht es an der Grenze zu Mexiko entlang nach Yuma zur Besichtigung des alten Gefängnisses, das häufig in alten Western erwähnt wird. Und dann geht es weiter zu anderen Freunden, den Joshua Trees, die ich dann übermorgen ausführlich und wenn möglich auch mit einer kleiner Wanderung besuchen möchte. Danach geht es nur noch einmal durch die Mohave-Wüste nach Las Vegas, wo mein Urlaub dann endgültig seinem Ende zugeht.