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Samstag, 05.01.2008
Gefahrene Meilen: 230.2 (= 370 km)
Der Hustensaft und die Antihistamintablette haben mich die Nacht verhältnismäßig gut schlafen lassen. Ich hatte nur leichtes Kopfweh, das ich als aufziehende Migräne diagnostizierte. Der Blick aus dem Fenster brachte auch die Erklärung: Da hingen dunkle Regenwolken und es tröpfelte auch etwas. Da mir der Hustensaft gut getan hatte und ich beim Test gestern Abend ihn für unbedenklich in Bezug auf Müdigkeit hielt, nahm ich gleich noch eine Dosis.
Nachdem ich die erste Ladung Gepäck im Auto verstaut hatte, wollte ich frühstücken. Ich hatte aber absolut keinen Appetit, wurde aber ziemlich müde und die Kopfschmerzen wurden auch stärker. Mit Mühe konnte ich mich zum Trinken von einem Becher Orangensaft und einem Becher Gourmet-Kaffee überwinden. Beim Gedanken an Essen wurde mir übel.
In der Hoffnung, dass die Kopfschmerztabletten mal wirken würden und meine Müdigkeit nur vorübergehend war, fuhr ich nach dem Auschecken einfach mal los. Die Strecke war auch verhältnismäßig einfach: Immer nur Autobahn, bis sie in Phoenix dann plötzlich 6-spurig wurde und ich auch noch auf eine andere Autobahn wechseln musste. Das hat aber erstaunlicherweise ausgezeichnet funktioniert; Ich fuhr einfach in meiner Spur und folgte Bonnies Anweisungen. Inzwischen hatte ich auch gelernt, nicht nur die aktuellen Anweisungen zu beachten, sondern auch den nächsten angezeigten Richtungswechsel. Und so konnte ich meistens rechtzeitig die Spur wechseln. Das klappte nur immer dann nicht, wenn die rechte Spur plötzlich zur Rechtsabbiegerspur wurde und ich nicht mehr nach links rüber kam. Da kamen dann immer die bekannten Sprüche vom Wenden, die mich so furchtbar nerven.
Die Fahrt nach Tucson war ziemlich anstrengend und ich machte etliche Pausen. Deshalb brauchte ich einiges länger als erwartet und strich einfach mal wieder einen Besichtigungspunkt, der mir nicht so wichtig war. Die Müdigkeit ließ überraschenderweise nach etwa 3 ½ Stunden schlagartig nach, so dass ich sie auf den Hustensaft zurückführen kann. Den soll man nämlich so alle 4 Stunden nehmen. Die Recherche im Internet nach den beiden Inhaltstoffen ergab eigentlich nichts Besonderes, aber beide Stoffe haben als seltene Nebenwirkung eben Müdigkeit. Also werde ich den Hustensaft (der übrigens von den Inhaltsstoffen einem von Wick entspricht) nur noch abends nehmen, wenn ich eh schlafen will. Und tagsüber müssen die Hustenbonbons reichen.
In Tucson angekommen, wollte ich immer noch erst ans andere Ende der Stadt, um den anderen Besichtigungspunkt abzuhaken. Und so fuhr ich an der Ausfahrt mit dem Wegweiser zum Saguaro Nationalpark erst einmal vorbei. Aber dann kam eine Reklametafeln mit den Futtertempeln der nächsten Ausfahrt. Und da war auch ein In-n-Out-Burger dabei. Nach fast 3 Wochen ganz ohne Fastfood-Burger bekam ich plötzlich riesigen Hunger und musste einfach so einen Burger haben. Außerdem war es schon 14 Uhr und ich hatte bisher nur ein paar Chips geknabbert. Also raus an der Ausfahrt und den Burgerladen suchen. Der war natürlich wieder auf der anderen Straßenseite, und das bei einer 4-spurigen stark befahrenen Straße mit Abbiegespuren; und ich war natürlich wieder ganz rechts und kam nicht mehr rüber. Aber mein Trick funktionierte mal wieder: Ich bog einfach nach rechts in die Straße ein, an der der Burgerladen in der anderen Richtung und damit anderen Straßenseite war. Dann drehte ich bei nächster Gelegenheit und war an der Kreuzung in der richtigen Spur geradeaus direkt zum Futter. Der Burger war richtig gut, ganz frisch und viel billiger und noch größer als bei uns in Deutschland. Beim Wegfahren gab es dann mal wieder ein typisches Problem: Reingekommen in die Parklücke war ich ja, aber das Rauskommen war etwas schwierig. Irgendwie hatte ich da einen totalen Blackout; ich musste doch nur rückwärts raus und um 90° drehen. Aber irgendwie klappte das nicht und ich stand immer wieder auf meinem Parkplatz. Im Rückspiegel sah ich einige Leute, die meine Mühen kritisch beobachteten. Und plötzlich gingen die zu den Autos, die rechts und links neben mir standen, fuhren damit weg und retteten mich. Jetzt hatte ich wirklich genug Platz und kam auch sofort raus.
Während ich den Burger verspeiste, hatte ich beschlossen, direkt zum Saguaro Nationalpark zu fahren und den anderen Besichtigungspunkt, die Mission San Xavier del Bac, zu streichen. Dort war ich schon einmal gewesen, und das bei ungefähr gleichem Wetter. Und die Renovierung, die schon im Frühjahr 2004 für einen eingerüsteten Turm sorgte, soll immer noch nicht abgeschlossen sein. Also war wirklich unsicher, ob es sich wirklich so lohnen würde, dass ich dafür bei meinen geliebten Kakteen fast keine Zeit mehr hatte. Deshalb fuhr ich gleich zu den Kakteen.
Im Visitor Center gab ich meinen Nationalparkpass zum Scannen für den Eintrag, besorgte mir dafür die Parkzeitung und eine Parkbroschüre, und fand wieder einige schöne Magnete. Dann hielt ich noch einen netten Plausch mit zwei der Parkrangerinnen über die vielen kleinen Parks, die ich schon besucht hatte. Die meisten Touristen übersehen diese kleinen Parks. Die Schuld dafür liegt aber auch häufig bei den Reiseveranstaltern, die eben bestimmte große, und damit auch überlaufene Parks in ihrem Programm haben und von den kleinen einfach nichts wissen. Und viele der kleinen Parks, die ich besucht habe, findet man nur über die Nationalparkseite und dann eben über die gezielte Suche nach den Namen in einigen wenigen Reisebeschreibungen.
Dann musste ich aber los und den Besichtigungs-Empfehlungen folgen; schließlich war es schon 15 Uhr und in 2 ½ Stunden würde es dunkel werden. Da ich mit meiner Erkältung aber sowieso keine größeren Wanderungen unternehmen wollte, reichte die Zeit gut aus, um viele schöne Bilder von meinen geliebten Kakteen zu machen. Natürlich musste ich trotzdem etwas gehen. Zuerst ging ich einen ebenen, geteerten Rundweg, der als eine Art Naturlehrpfad aufgebaut ist.
Danach folgte ich wieder den Empfehlungen und fuhr einen Rundweg mit einigen Haltebuchten und einem Picknickplatz, von wo aus man noch zu einigen Petroglyphen gehen kann. Obwohl es einen Berg hinaufging, konnte ich mir das nicht entgehen lassen. Und die Petroglyphen in Südost-Arizona sehen ganz anders aus als die Petroglyphen in Albuquerque.
Dieser Platz scheint auch ein beliebter Platz für die Betrachtung des Sonnenuntergangs zu sein. Da ich aber noch im Hellen das Bergsträßchen zurück nach Tucson fahren wollte, wurde es Zeit für mich zu gehen. Aber einmal musste ich unterwegs noch anhalten und den Fotoapparat zum letzten Mal heute beanspruchen. Die Stimmung kurz vor Sonnenuntergang war einfach zu gut, um sie nicht irgendwie in Pixeln festzuhalten.
Obwohl es heute den ganzen Tag bedeckt war und die Sonne nur kurz herauskam, nämlich gerade passend zu meinem verspäteten Mittagessen, waren die Temperaturen heute sehr angenehm. Angefangen hat es mit 12° C heute morgen um 8:30 in Camp Verde. Das hat sich noch gesteigert auf 22° C um 15 Uhr in Tucson. Der leichte Wind war aber so unangenehm, dass ich trotzdem eine Jacke anzog, wenn die Sonne nicht gerade schien und es noch wärmer war.
Von den Rangerinnen hatte ich mir auch auf der Karte zeigen lassen, wo viele Motels sind. Und dort habe ich mich in einer Travelodge eingemietet, die nur 5$ teuerer ist als das Motel 6 auf der anderen Seite der Autobahn, dafür aber kostenloses Internet und Frühstück bietet. Außerdem ist das Zimmer größer und hat eine Microwelle, in der ich mir das Abendessen warm machen konnte, auf das ich gestern aufgrund meiner Erkältung einfach keinen Appetit hatte.
Morgen gibt es noch mehr Kakteen in einem auch weniger besuchten Nationalpark, bevor ich dann endgültig wieder nach Las Vegas zurückfahren muss. Irgendwie ist es schade, dass mein Urlaub schon fast zu Ende ist. Andererseits habe ich auch schon viel gesehen und viele Eindrücke gesammelt, die ich alle noch verarbeiten und auswerten muss. Zum Glück war mein kleiner Koffer auf dem Hinflug einiges unter dem zulässigen Maximalgewicht, so dass ich keine Angst haben muss, dass meine ganze Papiersammlung alle zulässigen Gewichtsgrenzen sprengen wird. Und Platz habe ich auch noch, aber ich war auch noch nicht richtig Einkaufen in Las Vegas. Das habe ich mir für den letzten Tag aufgespart, da ich dann genau weiß, wie viel Platz ich noch habe für Einkäufe. Und außerdem wollte ich mir von Chris die günstigen Läden zeigen lassen. Mal sehen, wie viel ich von diesen Plänen auch ausführen kann. Ein Paar Halbschuhe habe ich auf jeden Fall schon mal gekauft. Nur Sandalen sind mir noch keine über den Weg gelaufen; ich habe aber auch noch nicht wirklich gesucht und war noch in gar keinem Schuhladen.
Mein kalifornisches Autokennzeichen führt auch immer wieder zu netten Unterhaltungen an Parkplätzen, wenn die Leute wissen wollen, woher aus Kalifornien ich komme. Den Mietwagen erkennt man inzwischen nur noch am Strichcode an der Windschutzscheibe. Auch bei den Preisverhandlungen in Motels hat sich die Antwort „ich bin aus Deutschland“ bewährt, wenn nach der AAA-Karte (entspricht unserem ADAC und die beiden erkennen die Mitgliedschaft sogar gegenseitig an) gefragt wird. Dann bekomme ich den Rabatt meistens auch so. Überhaupt hilft generell die Frage nach dem günstigsten Preis.
Heute will ich mal früher (so gegen 22 Uhr) ins Bett gehen. Vielleicht hilft das lange Schlafen bei meiner Erkältung. Nach anfänglich größerem Schlafbedarf bin ich halt wieder bei max. 7 Stunden angelangt, so dass ich in der Regel erst so zwischen 23 Uhr und Mitternacht schlafen gehe.