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Dienstag, 01.01.2008
Gefahrene Meilen: 225.4 (= 363 km)
Vom Jahreswechsel habe ich nicht viel mitbekommen, obwohl ich einmal kurz aufwachte und mich über das Geknalle draußen wunderte. Mit Neujahrsböllern habe ich das aber nicht in Verbindung gebracht. Ich war wohl zu müde und irgendwie gehen dieses Jahr die Weihnachtstage und der Jahreswechsel fast unbemerkt an mir vorbei.
Der Blick aus dem Fenster ließ mich erschaudern: Es war zwar schon fast hell und statt Wolken zeigte sich ein leichter roter Streifen im Osten, aber an meinem Fenster waren Eisblumen zu sehen. Und es sollte noch kälter sein als ich befürchtet hatte: Das Bordthermometer zeigte -15° C als ich das Auto anließ. Glücklicherweise war ich gestern schon sehr früh im Hotel angekommen und nicht wieder weggefahren, so dass nur die Heckscheibe etwas vereist war, was durch die Heckscheibenheizung in wenigen Minuten behoben war.
Nach einem selbstgekochten Kaffee (Pulver und Maschine wurden vom Hotel gestellt, und wenn man aus einer 4-Portionen-Packung Kaffee eine Portion Kaffee macht und die Pulvertüte statt im Filter in der Kanne ziehen lässt, hat man auch mal wieder richtigen Kaffee und nicht nur das, was die Amerikaner als Kaffee bezeichnen) und einem Blaubeerbagel aus meinen Vorräten konnte es losgehen. Geplant waren heute der Nord-Rim des Canyon de Chelly (der eigentlich Canyon de Muerte heißt) der Süd-Rim des Canyon de Chelly (der eigentliche Canyon de Chelly) und dann die Weiterfahrt zum Petrified Forest sowie dessen Besichtigung.
Also ging es in der Eiseskälte los zum Nord-Rim, was erst einmal ein paar Kilometer fahren bis zum ersten Aussichtspunkt bedeutete. Der Canyon beginnt kurz hinter Chinle ganz flach und unscheinbar und dann steigt die umgebenden Landschaft sehr stark an, so dass es ein richtig tiefer Canyon wird. An den am weitesten entfernten Aussichtspunkten geht es über 200 m senkrecht hinunter.
Da ich sehr früh dran war, lagen alle Aussichtspunkte des Nord-Rims im Gegenlicht und der Boden des Canyons war noch im Schatten. Aber es war trotzdem (oder vielleicht auch genau aus diesem Grund) sehr schön dort. An sämtlichen Aussichtspunkten und auf allen Wegen von den Parkplätzen zu den Aussichtspunkten war ich ganz allein und konnte einfach so für mich die Aussicht genießen und die Gegend auf mich wirken lassen.
Dann konnte ich mich wieder einige Zeit im Auto aufwärmen. Draußen war die Temperatur immerhin schon auf -7° C angestiegen und es sollte sogar noch wärmer werden. Aber Plusgrade wurden erst bei meiner Fahrt zum Petrified Forest erreicht. Das Nord-Rim hatte ich quasi von vorne nach hinten aufgerollt, da die Aussichtspunkte alle südlich der Straße, die ich von Westen nach Osten fuhr, lagen. Beim Süd-Rim lagen die Aussichtspunkte naturgemäß nördlich der von Westen nach Osten führenden Straße, so daß ich erst einmal das ganze Rim abfuhr und dann Aussichtspunkt für Aussichtspunkt zurückkehrte. So begann ich also mit dem berühmten Spider Rock, einem Felsen, der einfach wie eine doppelte Nadel mitten im Canyongrund steht, der schon voll von der Sonne angestrahlt wurde.
Der Canyon selbst darf ohne Navajo-Führer von Touristen nur an einer Stelle betreten werden: Es gibt unten im Canyon Pueblo-Ruinen und zu diesen darf vom Aussichtspunkt aus hinab- und wieder hinaufgestiegen werden. Da es aber so kalt war, noch Schnee- und Eisreste auf den Wegen lagen, der Weg logischerweise am nach unten führenden Süd-Rim von der Sonne nicht richtig beschienen wird, und ich in Mesa Verde bereits mit weniger Anstrengung an eher besser erhaltene Ruinen gekommen war, habe ich auch in Anbetracht der bereits fortgeschrittenen Zeit auf diese Wanderung verzichtet (es war mir eigentlich schon beim ersten Blick auf ein Thermometer klar, dass diese Wanderung gestrichen würde).
Somit konnte ich dann gegen Mittag endlich losfahren in Richtung Süden zum Petrified Forest. Dieser Nationalpark hat eine eigene Autobahnausfahrt, die für Lastwagen (außer Zulieferern natürlich) gesperrt ist.
Da ich vor fast 4 Jahren schon einmal im Petrified Forest war, aber aus Zeitmangel (bzw. Unlust meiner Mitreisenden) nicht alles sehen konnte, habe ich heute die damals besuchten Punkte in Japaner-Manier abgehakt (d.h. Aussichtspunkt anfahren, raus aus dem Auto, einige Fotos machen, weiterfahren zum nächsten Aussichtspunkt). Aufgrund der winterlichen Temperaturen (5° C) war die Luft sehr klar und die Sicht sehr viel besser als im April 2004. Deshalb sind es auch von der Painted Desert wieder mehr Bilder geworden, als ich eigentlich geplant hatte.
Dann fuhr ich aber erst einmal noch nicht besuchte Teile an. Als erstes kamen die Tepees. Das sind Felskonstrukte, die wie quergestreifte Indianerzelte aussehen. Anschließend wurde die Blue Mesa von mir genauer unter die Lupe genommen. In Anbetracht der schon weit fortgeschrittenen Zeit und der Kälte verzichtete ich auf eine Wanderung hinunter in das Felsenlabyrinth. Außerdem wollte ich ja noch einen kurzen Rundweg laufen.
Da sich der Himmel im Westen zuzog und damit auch die Sonne wegsperrte, verzichtete ich auf einen erneuten Besuch des Crystal Forests, in dem hauptsächlich in allen Farben schimmernde versteinerte Stücke von Bäumen zu sehen sind, die dem Park auch seinen Namen gaben. Diese Gegend war von einigen Millionen von Jahren einmal ein Urwald, der dann später überflutet wurde. Dabei wurden die Baumstämme im Morast vergraben, wo sie langsam versteinerten und dabei auch die unterschiedlichsten Mineralien aufnahmen, die jetzt die Ursache für die vielfältigen Farben sind.
Außerdem sollte ich noch einige farbigen Baumstämme bei meinem Rundweg durch die Giant Logs sehen, die zwar nicht ganz so farbenprächtig sind wie die im Crystal Forest, aber wenn die Sonne nicht scheint, ist es auch aus mit der Farbenpracht. Außerdem hatte ich 2004 schon einige schöne Fotos im Crystal Forest gemacht. Und dann sollte die Sonne doch noch ab und zu durchkommen, so dass ich bei den Giant Logs noch einige schöne, farbige Baumstämme fotografieren konnte.
Und jetzt sitze ich hier in einem kleinen Motel in Holbrook, in dem wohl hauptsächlich Dauergäste wohnen. Auf jeden Fall werden die Zimmer auch wochenweise vermietet. Zu meiner Überraschung gibt es zwar keine Steckdose in der Nähe des Schreibtisches, über die ich den Laptop betreiben könnte, aber Microwelle und Kühlschrank (die mal kurzfristig vom Strom abgehängt werden). Und einen ab und zu funktionierenden Internetzugang konnte ich auch finden.
Morgen geht es weiter Richtung Osten. Und zwar werde ich wohl den Tag jetzt einbauen, den ich durch den Schnee und das Auslassen von Santa Fe eingespart hatte. Dazu muss ich jetzt natürlich die Strecke erst einmal planen, da ich für diesen Notfall nicht schon fertige Routen habe. Ich habe nur die Informationen dabei, die ich brauche, um ein Ziel auszusuchen und die Strecke dorthin zu finden.