Mittwoch, 09.01.2008
Gefahrene Meilen: 166.4 (= 268 km)
Heute war endgültig der letzte Tag, den ich unterwegs bin. Heute Abend bin ich in Jean, einem kleinen Ort kurz vor Las Vegas. Und das ist auch das letzte Hotel bevor ich abfliege. Da in Las Vegas gerade eine große Messe ist, sind die Übernachtungspreise in den Hotels in der Nähe des Flughafens in schwindelerregende Höhen geklettert. Bevor ich da über 100$ für ein einfaches Motelzimmer ausgebe, bleibe ich lieber außerhalb. Außerdem ist es am Morgen wesentlich einfacher, von Jean aus zum Flughafen zu kommen als von der Innenstadt oder einem der anderen Randbezirke von Las Vegas. Der Flughafen liegt nämlich gerade in der richtigen Richtung am Rand von Las Vegas, so dass die 35 km von Jean schneller gehen als 20 km Stadtverkehr.
Als mein Wecker heute morgen klingelte, konnte ich mich zu gar nichts aufraffen und stellte nur schnell die Heizung wieder an, die ich über Nacht ausgestellt hatte (die mit den Klimaanlagen gekoppelten Heizungen machen einen Heidenlärm), und ging wieder ins Bett. Erst eine Stunde später konnte ich mich zum Aufstehen überreden. Aber ich war total lustlos. Hunger hatte ich zwar etwas, aber absolut keinen Appetit. Also wurde das Frühstück erst einmal verschoben. Und der Kaffee des Motel 6 schmeckte so scheußlich, dass ich kurzerhand die Pflanzen damit goss. Ich hoffe, sie haben es überlebt.
Die Fahrt ging über kleine Überlandstraßen quer durch die Mojave-Wüste, die heute genauso trostlos aussah wie meine Stimmung. Auch das Radio konnte mich nicht aufmuntern. Und trotzdem war es schön, so durch die menschenleere Weite zu fahren, in der die Straße kilometerweit immer geradeaus geht, ohne Kurve. Vereinzelte Briefkästen oder ganze Ansammlungen von Briefkästen bei Kreuzungen mit Straßen, die mehr wie Feldwege aussehen. In der Ferne ein paar Häuser, ganz schwach zu erkennen. Da gewinnt der Satz: „ich geh schnell zum Briefkasten“ eine ganz andere Bedeutung, denn das zum Briefkasten Gehen könnte ein paar Kilometer bedeuten. Auch jeden Tag Einkaufen ist da nicht drin.
Ringsherum in der Ferne waren die schroffen Berge zu erkennen, die erst einmal meine Begleiter waren. Die Berge vorne kamen ganz langsam näher, bis die Straße nach Norden abschwenkte und auf diese Berge zuführte. Und diese musste ich auch überqueren. Neben der Straße nur ausgetrocknete Erde mit kleinen Sträuchern und büschelweise hartes Wüstengras. Sonst wuchs nichts. Ab und zu kam mir ein Auto entgegen oder es überholte mich eines. Aber während der ganzen Fahrt durch die Wüste (160 km lang) kam keine Tankstelle, kein Restaurant, kein Fast-Food-Laden, nur einsame Farmen bzw. Ortschaften, die aus einer Hand voll Häuser bestehen und sogar ein Postamt haben.
Und dann war ich in der Mojave National Preserve, die ich schon auf dem Weg vom Death Valley zum Grand Canyon auf derselben Straße in der anderen Richtung durchfahren hatte. Damit hatte sich der Kreis geschlossen; ich war fast wieder zurück. Da ich bei der ersten Durchfahrt wesentlich weniger Zeit hatte und wusste, dass ich den unteren Teil dieses Naturschutzgebietes noch einmal durchfahren würde, hatte ich keine Fotos von den Dünen gemacht und mir auch das Depot nur kurz von außen angesehen. Die Fotos von den Dünen holte ich jetzt bei strahlendem Sonnenschein, aber kalten 10° C nach. Wenn ich 6 km Feldweg-Schotterpiste gefahren wäre, wäre ich bis fast an den Fuß der Dünen herangekommen. Aber auf Schotterpiste hatte ich gar keine Lust, schon gar nicht mit einem normalen Auto, das keine erhöhte Bodenfreiheit hat.
Das Eisenbahndepot stellte sich als liebevoll renoviertes und hergerichtetes Visitor Center des Naturschutzgebiets heraus, in dem nicht nur einige der Originaleinrichtungen des Bahnhofs sondern auch eine große, interessante Ausstellung über die Geschichte der Mojave-Wüste auf die wenigen Besucher warten. Ich hielt mich dort über eine Stunde auf und schaute mir alles an.
Die Weiterfahrt ging dann durch noch unbekanntes Terrain; diese Strecke war ich noch nicht gefahren. Und da wartete noch eine Überraschung auf mich: Tausende von Joshua Trees. Dass es einige Joshua Trees geben würde, war mir bekannt, aber dass ich kilometerweit durch richtige Wälder von Joshua Trees fahren würde, war eine große Überraschung für mich. Aber ich schaffte es nicht, Bilder davon zu machen. Ich brachte es nicht über mich, einfach anzuhalten (was problemlos möglich gewesen wäre) und sozusagen Abschiedsbilder zu machen. Da fuhr ich lieber langsamer als ich eigentlich durfte und versuchte, so viele Eindrücke wie irgend möglich in meinem Kopf zu speichern. Als es wieder weniger Joshua Trees wurden, kam auch schon bald die Autobahn, die mich dann nach Jean brachte.
Diese Fahrt durch die letzten Kilometer der Mojave-Wüste mit den vielen Joshua Trees empfand ich als Abschied von dieser Gegend, die mir so gut gefällt. Und ich weiß, dass mich das Fernweh irgendwann wieder packen wird und ich wieder zu den roten Felsen, der Mojave-Wüste und den Joshua Trees fahren werde.
Da ich noch den ganzen Tag nichts gegessen hatte, siegte dann schließlich die Vernunft und ich fuhr in Primm, dem ersten Ort mit Tankstelle und Futtermeile seit Twentynine Palms heute morgen, in das dortige Outlet-Center, um in der Futtermeile chinesisches Fast-Food zu essen und den Rest einer mittleren Cola mitzunehmen. Die mittlere Cola dürfte so etwa 700 ml fassen.
Das Zimmer hier im Hotel in Jean ist schön groß und hat zwei Betten. Auf einem liegen meine beiden Koffer schon fertig umgepackt für den Flug. Ich muss nur noch die letzten Reste darin verstauen.
Da mein Hotel keinen Wlan-Zugang bietet sondern nur die alte Modem-Methode, werde ich morgen früh mal nach Primm fahren und schauen, ob die wirklich Internet in ihrem Einkaufszentrum anbieten. Das wird dann wahrscheinlich die letzte Möglichkeit für mich sein, ins Internet zu gehen.
Mit Chris habe ich nur telefoniert; die musste nach Kalifornien zum Enkel hüten. Aber mit Austin, Cheraly und Grandpa bin ich morgen zum Abendessen verabredet. Und ich bin sicher, dass ich für den Rest des Tages noch eine sinnvolle Beschäftigung finden werde wie z.B. den Besuch der Star Trek Experience im Las Vegas Hilton oder rausfahren zu den roten Felsen.