Meine Reisetagebücher
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Unter der Erde

Samstag, 29.12.2007

 

Gefahrene Meilen: 255.8 (= 412 km)

Heute morgen zuerst der obligatorische Blick aus dem Fenster: Es liegt kein Schnee und auf den Autos ist auch kein Raureif? Und dann fiel es mir wieder ein: Ich war ja im Süden und da war es etwas wärmer als in den letzten Tagen. Und tatsächlich bin ich beim Autoeinladen überhaupt nicht angefroren. Da ich trotz des reichlichen Abendessens (das aber schon um 18 Uhr verspeist worden war) wieder leichten Hunger verspürte und mein Motel weder Kaffee noch irgend etwas zu essen anbot (dafür war es einiges günstiger als Motel 6, das so als Informant für das Preisniveau des Ortes gilt), ging ich wieder die paar Schritte zu dem Mexikaner von gestern Abend, der auch Frühstück anbot. Und das war sehr gut, so amerikanisch-mexikanisch: Rührei mit scharfen Würstchen reingeschnitten, Rösti, Bohnenmus und Tortillas statt Toast.

 

Dann musste ich aber wirklich los. Es stand ja eine längere Fahrstrecke ins Haus und dann auch noch der Besuch einer Höhle. Und ich wollte eigentlich schon am sehr frühen Nachmittag dort eintreffen, da die Höhle nicht ewig geöffnet ist. Und die schon vorher geplante Strecke ging auch noch über El Paso, wovor ich mich ein wenig fürchtete. In Städten verfahre ich mich immer erst einmal trotz Navi; da tue ich einfach nicht das, was Bonnie mir sagt. Und so war es auch: Statt nach links abzubiegen, fuhr ich einfach weiter geradeaus. Das war mir diesmal aber schon recht, da ich noch nach einer Tankstelle suchte; ich brauchte mal wieder einen Eimer Cappuccino. Mit Hilfe des Navis konnte ich dann El Paso trotzdem ziemlich gut umfahren; ich musste nur am nördlichsten Rand durch bis ich auf der Umgehungsstraße war, die ich vorher ja nicht getroffen hatte (dort gab es aber gar keine Tankstellen und somit hätte es auch keinen Cappuccino gegeben).

 

Auf der Strecke von Alamogordo nach El Paso musste ich mal wieder ganz langsam fahren, da rechts und links neben der Straße Ziegen grasten. Es wollte aber keine die Straße überqueren.

 

Kurz nach El Paso musste ich mal wieder stoppen. Diesmal waren es aber keine Tiere, die die Straße überqueren wollten, sondern zwei Angehörige der Border Control, die die Ausweise kontrollierten und die Autos auf illegale Mexikaner überprüften. Deutsche Touristen scheinen zu dieser Jahreszeit wohl nicht sehr häufig aufzutreten; auf jeden Fall hat mich der freundliche Beamte gefragt, was ich denn im Winter in Texas mache. Dass ich höher gelegene Straßen gerne vermeiden wollte und irgendwie von White Sands nach Carlsbad kommen musste und eine der möglichen Strecken halt über El Paso führt, hat ihm eingeleuchtet und ich wurde als unbedenklich eingestuft. Er wollte nicht einmal einen Blick unter die Kofferraumabdeckung zu meinem Gerümpel werfen, obwohl sie beim Auto davor zu zweit den Kofferraum komplett ausgeräumt hatten.

Danach hielt ich nur noch einmal für eine kleine Pause kurz vor den Ausläufern der Guadalupe Mountains, die ich noch überqueren musste, bevor ich die Carlsbad Cavern erreichte. Und da wurde mir mal wieder deutlich bewusst, wie gerne die Amerikaner grillen: Zu jedem Picknick-Tisch gehörte auch ein Grill. Und ich konnte auch deutlich sehen, dass manche Amerikaner auch im Urlaub nicht auf Luxus verzichten möchten: Da stand ein riesiger Wohnbus und zog einen normalen PKW, damit man für Ausflüge und zum Einkaufen auch ein normalgroßes Auto dabeihat.

Dann war ich endlich bei der Höhle, an deren Eingang das Gebäude komplett umgebaut wurde. Souvenirladen, Restaurant, Verkauf von Eintrittskarten, Toiletten, alles war behelfsmäßig in riesigen Baucontainern untergebracht.

Es gibt zwei Möglichkeiten, in die Höhle zu kommen: Entweder man nimmt den Fahrstuhl, fährt 230 m in die Tiefe und steht gleich in der Haupthöhle. Oder man nimmt den sogenannten „Natural Entrance“ und geht zu Fuß etwa 3 km fast immer bergab durch viele verschiedene Höhlen bis zur Haupthöhle. Ich wollte natürlich diesen Eingang nehmen und hatte dadurch ein Zeitproblem: Der „Natural Entrance“ wird schon am frühen Nachmittag geschlossen, so dass man nur noch mit dem Fahrstuhl hinunterkommt. Aber ich war noch rechtzeitig da und konnte den kleinen Fußmarsch starten.

Woran erinnerten mich diese Serpentinen denn nur? Na klar, an Mesa Verde. Nur dass ich hier nicht denselben Weg wieder zurückgehen musste, sondern bequem den Fahrstuhl nehmen konnte (dachte ich jedenfalls). Ich brauchte für den Weg nach unten nicht die angegebenen 40 Minuten, sondern fast 2 Stunden.

Da waren aber auch einfach zu viele fotogene Steinformationen, die den ständigen Einsatz meines kleinen Stativs (Gorilla genannt, weil es sich um Geländer klammern kann) verlangten, da ich ja nicht blitzen wollte und deshalb eine sehr lange Belichtungszeit brauchte. So ging es ganz langsam vorwärts und immer wieder klammerte sich der kleine Gorilla mit der Kamera drauf an das Geländer.

Wie deutlich zu sehen ist, handelt es sich um eine Tropfsteinhöhle mit riesigen Ausmaßen. Die einzelnen Motive waren teilweise mit farbigem Licht angestrahlt, was denn beim Fotografieren witzige Farben ergab.

Und unten kam dann der Schock: Durch die Umbauarbeiten waren nur die beiden kleinen Fahrstühle in Betrieb, die jeder nur 8 Personen + 1 Ranger für die Bedienung fassten. Und unten warteten mehrere hundert Personen auf die Beförderung nach oben. Ich beschloss dann, mir nicht mehr die ganze Höhle anzusehen, sondern mich mal langsam in Richtung Fahrstühle zu begeben; schließlich wollte ich irgendwann einmal weiterkommen. Und die Wartezeit auf den Fahrstuhl betrug laut eines Rangers bereits über 1 Stunde. Es waren sehr viele Ranger im Einsatz, die die Beförderung der vielen Leute nach oben wirklich reibungslos durchzogen. Bei uns wäre das nicht so zügig und problemlos gegangen. Da wären die Leute schon nicht so einfach in einer langen Schlange gestanden, ohne dass sich irgendwo einer vordrängelt. Und es wäre auch niemals so viel Personal dagewesen, das die Besucher beruhigt und für Sicherheit sorgt (es könnte ja jemandem plötzlich schlecht werden). Wenn jemand auf die Toilette musste, ging er einfach an der Schlange vorbei bis zu den Fahrstühlen und anschließend wieder genau dorthin zurück in die Schlange, wo er vorher auch war.

 

Als ich dann endlich wieder oben war, war es schon fast 18 Uhr und ich wollte nur noch nach Carlsbad und mir ein Zimmer suchen. Das Motel 6 war fast am Ortseingang aus Richtung der Höhlen und – wie so häufig – waren noch andere gleich teure Motels ganz in der Nähe, die mehr Zusatzfeatures wie Continental Breakfast (= Kaffee + irgendwas zum Essen) und kostenlosen Internetzugang zum gleichen Preis wie Motel 6 bieten. Und so eines hatte noch ein Zimmer für mich mit Parkplatz direkt vor der Zimmertür.

 

Nachdem ich jetzt zwei etwas wärmere Tage genießen konnte, geht es morgen wieder Richtung Norden nach Albuquerque und von dort aus nach Osten. Es ist ja schon die Hälfte des Urlaubs vorbei.

Mehr Bilder gibt es in der Bildergalerie (auf eines der Bilder klicken)

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